Zur Suche.

Interview: "Lernort Labor hat seinen Zweck erfüllt"

Im Juli 2007 übernahm die Deutsche Telekom Stiftung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Finanzierung von Lernort Labor. Das Engagement läuft zum 30. Juni 2010 planmäßig aus. Stiftungsgeschäftsführer Dr. Ekkehard Winter zieht im Interview Bilanz.


Herr Dr. Winter, warum hat die Telekom-Stiftung Lernort Labor unterstützt?
Die Stiftung setzt sich ein für eine bessere Bildung im MINT-Bereich. In diesem Kontext spielen außerschulische Lernorte eine ganz wichtige Rolle, hier erleben Schülerinnen und Schüler durch die Reflexion eigenen Experimentierens Naturwissenschaften unmittelbar. Mit über 200 Schülerlaboren und außerschulischen Einrichtungen, die jedes Jahr von mehr als 400.000 jungen Menschen besucht werden, ist Deutschland europaweit führend. Das war für uns der Grund, den Bestand des Netzwerks dieser Lernorte sichern zu helfen. Ziel war und ist die dauerhafte Etablierung der Schülerlabore im Bildungssystem.

Zahlen sind das eine. Aber warum überzeugen Schülerlabore qualitativ?
Das IPN und andere Forschergruppen haben den Erfolg wissenschaftlich nachgewiesen. Die Untersuchungen belegen, dass außerschulische Einrichtungen wesentlich dazu beitragen können, Interesse und Begeisterung für, aber auch Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Naturwissenschaften und Technik zu fördern. Der Besuch eines Schülerlabors wirkt sich positiv auf die Leistungen im Schulunterricht und die spätere Berufswahl aus. Wichtig ist die schulische Einbettung der Arbeit in den Schülerlaboren.

Welchen Beitrag hat da LeLa geleistet?
LeLa hat als zentrale Plattform zur Beratung, Vernetzung und Qualitätsentwicklung der Schülerlabore gewirkt – durch eigene Internetseiten, den Newsletter »hands on« und eine Jahrestagung. Das »Kursbuch 2010« bietet eine umfassende Bestandsaufnahme und zeigt, wo die Schülerlabore in Deutschland stehen, was sie erreicht haben und leisten können. Als operative Stiftung haben wir die Koordinierungsstelle am IPN finanziert und die Angebote mit gestaltet. Dazu wurden ein Lenkungsausschuss und ein Beirat eingesetzt.

Was hat sich bei der Beratung der Schülerlabore getan?
Lernort Labor wurde zur ersten Anlaufstelle für Schülerlabore insbesondere für die Zeit des Auf- und Ausbaus der Schülerlaborlandschaft. Außerdem bemühte sich Lernort Labor um potenzielle Förderer und leistete Politikberatung zum Beispiel für Bundesländer, die ihre Labore aus- oder erstmals aufbauen wollten. Lernort Labor hat eine sehr gute Aufbauarbeit geleistet.

Wie fällt Ihre Bilanz beim Stichwort Vernetzung aus?
Mit den Jahrestagungen haben wir von Anfang an eine beachtliche Plattform geschaffen. Aber auch die Stärkung der regionalen Netzwerke verbuchen wir als Erfolg. Beispiel hierfür ist das Berlin-Brandenburger Netzwerk »GenaU«, das mit Unterstützung von Lernort Labor aufgebaut werden konnte. Insgesamt merke ich, dass Lernort Labor zum »Wir-Gefühl« der Schülerlabore deutlich beigetragen hat.

Wie geht es nach dem Ausstieg der Stiftung mit Lernort Labor weiter?
Die Stiftung und alle Mitstreiter, vor allem im Beirat und im Lenkungsausschuss, haben sich auf der Basis einer ausführlichen Befragung der Schülerlabore für die Sicherung und Weiter-entwicklung einer Plattform stark gemacht. In der gegenwärtigen Projektform funktioniert das jedoch nicht: Denn die Landschaft ist längst den Kinderschuhen entwachsen und die Labore wollen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und streben eine institutionelle Lösung an. Den Diskussionsprozess der Labore unterstützen wir. Alle Beteiligten wünschen sich aber weiterhin eine bundesweite Vernetzung, Jahrestagungen und eine Interessenvertretung.

Wie soll das realisiert werden?
Die Interessenvertretung und die bundesweite Vernetzung nehmen die Schülerlabore selbst in die Hand. Das Angebot, auch weiterhin eine Tagung in Form eines Netzwerktreffens durchzuführen, machen wir gemeinsam mit der Körber Stiftung und der Robert Bosch Stiftung im Rahmen unseres Projektes »Stadt der jungen Forscher«. Wir laden alle Initiativen an der Schnittstelle Schule und Wissenschaft zu einem Treffen in die »Stadt der jungen Forscher« ein, damit sich Lehrer, Wissenschaftler sowie Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und der Stiftungslandschaft austauschen und vernetzen können.

Unterm Strich: Hat sich das Engagement der Stiftung gelohnt?
Ganz sicher. Lernort Labor hat seinen Zweck erfüllt. Es war richtig, dass die Telekom-Stiftung für drei Jahre eingestiegen ist. Erstens, weil sich die einzelnen Schülerlabore noch stärker in der Bildungslandschaft etablieren konnten. Zweitens, weil mit unserer Unterstützung Zeit gewonnen wurde für die Bildung von Netzwerken regionaler, institutioneller oder fachlicher Art unterhalb von LeLa. In diesem Zusammenhang ist auch das neue Projekt »Stadt der jungen Forscher« zu sehen, wo wir eine neue Plattform geschaffen haben, die künftig auch für Schülerlabore ausgezeichnete Möglichkeiten zur Vernetzung bietet. Ich danke allen Beteiligten, insbesondere dem Team um Professor Euler, das kompetent und engagiert den Experten, Akteuren und Interessierten zur Seite gestanden hat.

© Deutsche Telekom Stiftung 2012

Impressum| Datenschutz| Kontakt